{"id":1038,"date":"2017-04-07T13:42:08","date_gmt":"2017-04-07T11:42:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.palmfiction.net\/blog\/?p=1038"},"modified":"2018-03-22T12:27:07","modified_gmt":"2018-03-22T11:27:07","slug":"klopfgeraeusche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.palmfiction.net\/blog\/klopfgeraeusche\/","title":{"rendered":"Klopfger\u00e4usche"},"content":{"rendered":"<p>So kann es nicht mehr weitergehen. Zuviel ist passiert in letzter Zeit. Aber zuvor wird noch reiner Tisch gemacht. Tabula rasa. Jetzt schon wieder. Irgendwo im Haus bohrt jemand ein Loch in eine Wand. Wenn ich mich auf den Boden lege, kann ich es ganz deutlich h\u00f6ren. Das Bohrger\u00e4usch kommt aus einer Wohnung unter mir. Aber es kann nicht die Wohnung direkt unter mir sein, weil die alte Frau ja ausgezogen ist. Na ja, eigentlich ist sie nicht ausgezogen, sondern nach einem Sturz ins Krankenhaus gekommen. Das Problem war, dass diese Frau fast taub war, und deshalb ihren Fernsehapparat immer auf volle Lautst\u00e4rke gedreht hat. Au\u00dferdem hat sie einen Hund gehabt. So einen unglaublich fetten, grauen Dackel, der gestunken hat, dass einem schlecht geworden ist, wenn man ihm im Stiegenhaus begegnet ist. Dass er dann die mit Rei\u00dfn\u00e4geln gespickte Knacker gefressen hat, daf\u00fcr konnte ich nichts.<\/p>\n<p>Das darf doch nicht wahr sein, da f\u00e4ngt jemand an, seine Wohnung zu renovieren. Letztes Jahr w\u00e4re ich fast verr\u00fcckt geworden, als im Haus eine Wohnung renoviert wurde. Diese Bohrger\u00e4usche, ein Wahnsinn, wie beim Zahnarzt, nur einen Ton tiefer. Oder sind es zwei T\u00f6ne? Schrecklich.<\/p>\n<p>Gurrt da irgendwo eine Taube? Die Tauben sind ein eigenes Kapitel f\u00fcr sich. Ich hasse diese Tiere. Und wie ich sie hasse. Was ist das? Ist das die M\u00fcllabfuhr? Nein, heute kommt ja gar keine M\u00fcllabfuhr. Selbstverst\u00e4ndlich wei\u00df ich ganz genau, wann die M\u00fcllabfuhr kommt. Und nat\u00fcrlich auch, wann die Altpapiercontainer abgeholt werden. Es klingt so, als w\u00fcrde jemand ein Absperrgitter \u00fcber ein Kopfsteinpflaster schleifen. Ein f\u00fcrchterliches Ger\u00e4usch.<\/p>\n<p>Jetzt gurrt wieder so eine verdammte Taube im Lichthof. Im Winter werde ich dieses Granulat ausstreuen, das mir dieser freundliche Herr von der Taubenabwehrfirma verkauft hat. Unter der Hand nat\u00fcrlich. Das Zeug wird mit altem Brot vermischt und innerhalb weniger Stunden krepieren diese verdammten Viecher an Unterk\u00fchlung. Das Mittel funktioniert aber nur, wenn es weniger als f\u00fcnf Grad hat. Muss ich also noch ein paar Monate warten. Hoffentlich werde ich bis dahin nicht aus meiner Wohnung geworfen. Ich soll ja gepf\u00e4ndet werden, weil ich angeblich seit Monaten keine Miete mehr bezahle. L\u00e4cherlich. Einmal waren die Gerichtsvollzieher bereits bei mir. Da habe ich ihnen als Zuckerl eine alte elektrische Kaffeem\u00fchle \u00fcberlassen, die ich um drei Euro auf einem Flohmarkt gekauft habe. Die M\u00fchle hat gar nicht mehr funktioniert, aber das wussten diese Idioten nat\u00fcrlich nicht. Gekommen sind sie wegen dieser Rechnung f\u00fcr die Fliesen im Bad. Der Fliesenleger hat mich geklagt, weil ich seine Arbeit nicht bezahlt habe. Dabei war das gar nicht meine Schuld. Schuld war dieses Ger\u00e4usch, das so klang, als w\u00e4re ein Abfluss verstopft. Oder als w\u00fcrde im Boden irgendein furzendes Ungeheuer hausen. Das war nicht zum Aushalten. Ich bin fast durchgedreht. Stundenlang bin ich auf dem Fliesenboden gelegen und habe gehorcht. Mein Ohr hat schon total weh getan. Es war schlimm. Irgendwann habe ich Angst bekommen. Nein, also nicht direkt Angst. Sagen wir so: Ich bin w\u00fctend geworden und habe mir den gr\u00f6\u00dften Hammer aus meinem Werkzeugkoffer geholt. Damit habe ich an der Stelle, wo ich das furzende Ungeheuer vermutet habe, die Fliesen zertr\u00fcmmert. Ich musste ja schauen, was da los ist. Offenbar habe ich aber in meiner Wut so fest zugeschlagen, dass nicht nur die Fliesen zerbrochen sind, sondern auch das Abflussrohr. Das Dumme war, dass dann das Wasser durch die Decke in die Wohnung unter mir gesickert ist und es einen ziemlichen \u00c4rger mit der Hausverwaltung gab. Alle waren pl\u00f6tzlich gegen mich. Die alte Frau, die ohnehin nichts geh\u00f6rt hat, und die Hausverwaltung, die mir seit drei Monaten mit der Zwangsr\u00e4umung droht, weil ich angeblich mit der Miete im R\u00fcckstand bin. Dabei war das mit dem Wasserrohrbruch \u2013. Was ist das? Jetzt knarren wieder diese Sesselleisten. Vielleicht wegen der Hitze. Ich habe mir da extra einen Silikonfugendichter gekauft, den ich oben bei den Leisten hineinschmiere, damit das Ger\u00e4usch aufh\u00f6rt. Muss ich morgen gleich wieder nachdichten.<\/p>\n<p>Dass das mit der Extrawurstsemmelverk\u00e4uferin nicht geklappt hat, \u00e4rgert mich immer noch. Bianca hat sie gehei\u00dfen. Andererseits h\u00e4tte sie ohnehin nicht zu mir gepasst, weil sie viel zu verklemmt war. Ein einziges Mal ist sie bei mir gewesen und da habe ich ihr dieses Gedicht vorgelesen, das ich f\u00fcr sie geschrieben habe. Daraufhin ist sie aufgestanden und gegangen. Oder sagen wir so: Sie wollte gehen, aber ich habe sie zur\u00fcckhalten und an den Oberarmen gepackt. Sie hat zu schreien begonnen, da habe ich dann ein bisschen fester zugedr\u00fcckt. Ich wollte ja nicht, dass irgendjemand im Haus etwas h\u00f6rt. Okay, einen kleinen Schubser habe ich ihr auch gegeben, aber passiert ist ihr nichts. Die Ohrfeige hat sie schlie\u00dflich zur Besinnung gebracht. Dabei war das Gedicht sehr gut. Als einer, der in der Werbebranche t\u00e4tig ist, kann ich das beurteilen. Da muss man ja auch literarisch versiert sein. Der Extrawurstsemmelverk\u00e4uferin hat das Gedicht aus unerfindlichen Gr\u00fcnden aber nicht gefallen. Sie hat nur den Kopf gesch\u00fcttelt und ist aufgestanden. Na ja, eigentlich hat sie sich gar nicht hingesetzt gehabt. Sie ist in der T\u00fcr stehen geblieben und hat so komisch geschaut. Dann hat sie gefragt, weshalb ich soviele Schachteln im Zimmer habe. Bl\u00f6de Frage. Ich habe nur mit den Schultern gezuckt und gesagt, dass ich da alles aufbewahre, was mir wichtig ist.<\/p>\n<p>Moment, was raschelt da? Da raschelt doch etwas hinter einem der Kartons. Um Gottes willen, wenn das M\u00e4use sind, drehe ich durch. Vor Jahren habe ich einmal M\u00e4use in der Wohnung gehabt. Ich habe sofort bei der Hausverwaltung angerufen und mich dar\u00fcber beschwert. Die Frau am Telefon hat aber nur gesagt, dass sie das zum ersten Mal h\u00f6rt, dass sie aber jemanden vorbeischicken wird. Ich habe das nat\u00fcrlich abgelehnt. In meine Wohnung kommt mir niemand von der Hausverwaltung. Auch sonst lasse ich niemanden herein. Au\u00dfer eben Frauen wie Bianca. Ich habe mir dann ein paar Mausefallen gekauft, mit denen ich aber nur Wollm\u00e4use gefangen habe. Riesige Wollm\u00e4use. Im Laufe der Woche habe ich dann tats\u00e4chlich sechs echte M\u00e4use gefangen. Dann war Schluss. Wie die in meine Wohnung gekommen sind, wei\u00df ich nicht. Mir ist das bis heute ein R\u00e4tsel.<\/p>\n<p>Da, jetzt raschelt es wieder. Das darf doch nicht wahr sein. Ich muss ruhig bleiben, sonst bekomme ich noch einen Herzinfarkt. Oder kommt das Ger\u00e4usch von wo anders? Wom\u00f6glich haben sich im Fu\u00dfboden irgendwelche Tiere eingenistet. Wie damals im Badezimmer. Obwohl ich da gar keine Tiere gefunden habe. Wenn ich in der Zwischendecke Tiere h\u00e4tte, m\u00fcsste ich sofort den Fu\u00dfboden herausrei\u00dfen und Nachschau halten. Ich werde mich auf den Fu\u00dfboden legen und horchen. Allerdings muss ich aufpassen, dass ich nicht wieder eine Ohrenentz\u00fcndung bekomme. Die HNO-\u00c4rztin hat gemeint, dass da ein ganz komischer Dreck drinnen ist. Dann hat es zu allem \u00dcberfluss auch noch zu rauschen begonnen. Das war der absolute Wahnsinn. Ich wusste nicht mehr, ob es drau\u00dfen rauscht oder ob ich meine eigene Blutzirkulation h\u00f6re. Zum Gl\u00fcck hat mich die HNO-\u00c4rztin auch ohne E-Card behandelt. Ich habe ja keine E-Card bekommen, weil diese Idioten von der Versicherung gemeint haben, ich h\u00e4tte keinen richtigen Beruf. Dabei bin ich nachweislich in der Public-Relations-Branche t\u00e4tig. Ich habe ihnen sogar meine Best\u00e4tigung von diesem Communications College in Hamburg gezeigt, bei dem ich einen Fernkurs belegt habe. Daf\u00fcr habe ich siebenhundert Euro bezahlt. Aber der Trampel bei der Sozialversicherung hat nur den Kopf gesch\u00fcttelt und gemeint, dass das kein Nachweis f\u00fcr die Aus\u00fcbung eines Berufs sei. Wie gut, dass man in Wien nicht an jeder Stra\u00dfenecke eine Schusswaffe kaufen kann, sonst w\u00e4re ich l\u00e4ngst zum Massenm\u00f6rder geworden. Bianca h\u00e4tte ich aber nicht erschossen. Bei der hat es gen\u00fcgt, dass ich ihr eine runtergehauen habe. Es war keine feste Watsche, eher eine leichte. Glaube ich zumindest. Aber warum musste sie auch so ein Theater machen? Wo Bianca jetzt ist, w\u00fcrde mich schon interessieren.<\/p>\n<p>Ich hoffe nur, dass die Wohnung \u00fcber mir nicht gleich wieder vermietet wird. Wahrscheinlich wird das aber noch eine Zeitlang dauern, weil ja gar nicht klar ist, ob diese Japanerin nur vor\u00fcbergehend weggefahren ist. Jedenfalls war das die H\u00f6lle. Da gibt es weltweit Millionen leere Wohnungen und dann muss diese Yumiko Kobayashi ausgerechnet in die Wohnung \u00fcber mir einziehen. Kann mir das jemand erkl\u00e4ren? Anfangs habe ich mir noch nicht viel dabei gedacht, obwohl mir gleich \u00dcbles schwante, wie ich den ersten Geigenton geh\u00f6rt habe. Viele Japanerinnen fahren ja nach Wien, um hier ein Instrument zu lernen. Wei\u00df der Kuckuck, warum. Japan hat 127.264.438 Einwohner, aber scheinbar keine Geigenlehrer. Diese Yumiko Kobayashi hat also jeden Tag Geige gespielt. Nein, falsch. Sie hat Geige ge\u00fcbt. Und zwar tagelang das gleiche St\u00fcck. Das treibt einen nat\u00fcrlich in den Wahnsinn. Ich habe mich auf die Leiter gestellt und das Geigengekratze zum Beweis sogar aufgenommen. Ich habe da so ein altes Aufnahmeger\u00e4t, mit dem ich jedes Ger\u00e4usche aufnehme. Man kann ja nie wissen. Das Gurgeln im Boden des Badezimmers, das Gekl\u00e4ff der Hunde, das Geschrei der Frauen beim Orgasmus oder wenn sie geschlagen werden, das Gequietsche der Stra\u00dfenbahn, das Scheppern der Gastherme, das Gurren der Tauben, das Bohren in irgendwelchen Wohnungen, alles nehme ich auf. Oft h\u00f6rt man die Ger\u00e4usche leider nicht mehr richtig, weil es auf dem Band ein Grundrauschen gibt. Das irritiert mich nat\u00fcrlich, weil ich nicht wei\u00df, ob es auf der Welt am Ende nicht generell ein Grundrauschen gibt. Ich habe einmal gelesen, dass es Stille in dem Sinn eigentlich gar nicht gibt. Im Universum soll es auch sehr laut sein. Allerdings k\u00f6nnen wir das nicht h\u00f6ren, weil das andere Frequenzen sind. Wie bei den Elefanten. Die verst\u00e4ndigen sich auch, ohne dass wir das mitbekommen. Selbst Taube h\u00f6ren ihr eigenes Blut zirkulieren. Tauben wahrscheinlich auch. Ein Horror, wenn ich mir vorstelle, dass ich Tag und Nacht nichts anderes h\u00f6re, als das Zirkulieren meines eigenen Blutes. Interessant w\u00e4re zu wissen, ob ein hoher Blutdruck anders klingt als ein niedriger. Wahrscheinlich schon. Der niedrige Blutdruck klingt sicher dumpfer.<\/p>\n<p>Yumiko hei\u00dft auf Deutsch \u00fcbrigens \u201esch\u00f6nes Kind\u201c. Den Namen muss diese Yumiko aber zu einem Zeitpunkt bekommen haben, als man noch nicht wissen konnte, wie sie sp\u00e4ter einmal aussehen wird. Ich habe das Gekratze der Japanerin jedenfalls drei- oder viermal aufgenommen. Da ich wissen wollte, was das f\u00fcr ein St\u00fcck ist, bin ich mit meinem Aufnahmeger\u00e4t in einen CD-Laden gegangen und habe es einer Verk\u00e4uferin vorgespielt. In den gro\u00dfen CD-Gesch\u00e4ften kann man aber niemanden mehr fragen. Da stehen ja nur noch Fleischhacker- oder Konditorlehrlinge hinter der Budel, die von Musik keine Ahnung haben. Zum Gl\u00fcck war zuf\u00e4llig ein Kunde anwesend, der gleich gewusst hat, was das f\u00fcr ein St\u00fcck ist. Das Gekratze war demnach Teil der \u201eInstruktiven \u00dcbungsst\u00fccke f\u00fcr Violine in verschiedenen Lagen und Sticharten\u201c, Opus 31, eines gewissen Carl Henning. Ich habe diesen Namen noch nie geh\u00f6rt, habe ihn mir aber gleich notiert. Das muss man sich einmal vorstellen: Da fliegt diese Yumiko Kobayashi 9.132 Kilometer von Tokio nach Wien, um mich mit \u00dcbungsst\u00fccken eines Herrn Henning zu qu\u00e4len. Und dann unterzeichnen sie ausgerechnet in Japan das Kyoto-Protokoll \u00fcber den Klimaschutz. Diese Idioten sollen mit dem Klimaschutz einmal im eigenen Land anfangen und allen Japanerinnen verbieten, in Wien ein Musikinstrument zu lernen. Was glauben die eigentlich? Dass hier die Geigen auf den B\u00e4umen wachsen? Oder dass an jeder Stra\u00dfenecke die Anna Netrebko singt? In Wirklichkeit schei\u00dfen die Hunde auf die Stra\u00dfe und die Besoffenen schiffen ungeniert an die Hausmauern. Aber das ist diesen Yumikos und Sakuras, oder wie sie sonst noch alle hei\u00dfen, vollkommen egal. Die sind gl\u00fccklich, wenn sie in Wien \u201eInstruktive \u00dcbungsst\u00fccke f\u00fcr Violine in verschiedenen Lagen und Sticharten\u201c, Opus 31, von Carl Henning spielen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Jetzt bellt wieder dieser verdammte K\u00f6ter im Nachbarhof. Aber ich schw\u00f6re, dieser Hund lebt nicht mehr lange. Ich habe mir da schon etwas ausgedacht. Jetzt wird reiner Tisch gemacht. Der Herr von der Taubenabwehrfirma hat mir n\u00e4mlich auch wegen des Hundes einen guten Tipp gegeben. Das Problem mit dieser Yumiko war ja nicht nur das Geigenspiel, sondern auch dieses unertr\u00e4glich laute Getrampel in ihrer Wohnung. Anfangs wusste ich gar nicht, was da los war. Erst am dritten oder vierten Tag ist mir klar geworden, dass diese Wahnsinnige Holzschlapfen tr\u00e4gt. Kaum ist sie nach Hause gekommen, ist sie schon in ihre Holzschlapfen geschl\u00fcpft, und keine f\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter ist die Geigerei losgegangen. Nat\u00fcrlich habe ich jedes Mal sofort an die Decke geklopft, aber das war ihr vollkommen egal. Wahrscheinlich hat sie gedacht, dass das normal ist, dass jemand klopft. Ich habe ja keine Ahnung, wie die Japaner wohnen, aber soviel ich wei\u00df, sind dort die Wohnungen so gebaut, dass praktisch jeder jeden h\u00f6ren kann. Ich glaube, dass das mit den Erdbeben zusammenh\u00e4ngt. Deshalb sind die W\u00e4nde in Japan auch so d\u00fcnn. Etwas in diese Richtung. Sobald sie also den ersten Schritt in der Wohnung gemacht hat, habe ich mit dem Besenstiel gegen den Plafond geklopft, wodurch sich im Laufe der Zeit nat\u00fcrlich Dellen gebildet haben. Einen Zusatzbesen hatte ich auch immer griffbereit neben dem Bett liegen. Da habe ich mir so eine Verl\u00e4ngerung gebaut, damit ich nicht extra aufstehen muss und die Zimmerdecke auch im Liegen erreiche. Das Bl\u00f6de war nur, dass irgendwann einmal der Putz zu rieseln begonnen hat und das ganze Zeug auf meinem Kopf gelandet ist. Nach drei Wochen hat es mir dann gereicht und ich habe ihr einen Zettel an die T\u00fcr geh\u00e4ngt. Aber leider zeigte sie keine Spur von Einsicht. Also habe ich sie eines Tages im Stiegenhaus abgefangen. Dass sie dann die Treppe hinuntergest\u00fcrzt ist, daf\u00fcr konnte ich nichts. Es war wie bei der alten Frau. Jetzt herrscht Ruhe in den Wohnungen \u00fcber und unter mir.<br \/>\n<i>Der Standard (ALBUM), 25.\/26. M\u00e4rz 2017<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So kann es nicht mehr weitergehen. Zuviel ist passiert in letzter Zeit. Aber zuvor wird noch reiner Tisch gemacht. Tabula rasa. Jetzt schon wieder. Irgendwo im Haus bohrt jemand ein Loch in eine Wand. Wenn ich mich auf den Boden lege, kann ich es ganz deutlich h\u00f6ren. Das Bohrger\u00e4usch kommt aus einer Wohnung unter mir. 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