{"id":1394,"date":"2020-01-14T18:47:21","date_gmt":"2020-01-14T17:47:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.palmfiction.net\/blog\/?p=1394"},"modified":"2020-01-14T18:47:26","modified_gmt":"2020-01-14T17:47:26","slug":"rauchzeichen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.palmfiction.net\/blog\/rauchzeichen\/","title":{"rendered":"Rauchzeichen"},"content":{"rendered":"<p><b>Rauchzeichen<\/b><\/p>\n<p>Von Kurt Palm<\/p>\n<p>Wann ich zum ersten Mal Zigarettenrauch eingeatmet habe, wei\u00df ich nicht mehr. Allerdings bin ich mir sicher, dass es sehr fr\u00fch gewesen sein muss. Sehr fr\u00fch hei\u00dft: In meinen ersten Lebensmonaten. Ich vermute das deshalb, weil in meiner Umgebung viel geraucht wurde. Und daran \u00e4nderte auch die Anwesenheit eines Babys nichts. Sp\u00e4ter ist mir dann aufgefallen, dass eigentlich nur die M\u00e4nner geraucht haben. Rauchende Frauen geh\u00f6rten in meiner Kindheit zu einer verschwindend kleinen Minderheit, die mit dem Akt des Rauchens einen Tabubruch begingen. Wie das Trinken, das Karten spielen oder das Auto fahren, war das Rauchen Ende der f\u00fcnfziger, Anfang der sechziger Jahre eine fast ausschlie\u00dflich m\u00e4nnliche Dom\u00e4ne. Frauen wurden bestenfalls zu Passivraucherinnen degradiert.<\/p>\n<p>Famili\u00e4re Zusammenk\u00fcnfte an den Wochenenden waren ohne zigarettenrauchende M\u00e4nner undenkbar. Dass in den Wohnungen geraucht wurde, war selbstverst\u00e4ndlich. Kein Mensch w\u00e4re damals auf die Idee gekommen, zum Rauchen nach drau\u00dfen zu gehen. Heute ist es genau umgekehrt. Als ich k\u00fcrzlich bei Bekannten eingeladen war, dachte sich niemand etwas dabei, als der Gastgeber nach dem Essen zu seiner Zigarettenpackung griff und mit den Worten \u2013 \u201eI rauch g\u2018schwind ane\u201c \u2013 auf den Balkon verschwand. Die Stigmatisierung der Raucher als asoziale Wesen wird also in vorauseilendem Gehorsam bereits in den eigenen vier W\u00e4nden praktiziert. Wobei in diesem Zusammenhang eine interessante Beobachtung zu machen ist: W\u00e4hrend im privaten Bereich die Raucher ihrer Leidenschaft, ihrer Sucht oder ihrem Laster<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>\u2013 je nach Betrachtungsweise \u2013 oft versteckt nachgehen, findet im \u00f6ffentlichen Raum quasi eine Umkehrung statt. Auf Flugh\u00e4fen oder Bahnh\u00f6fen, um nur zwei besonders krasse Beispiele zu nennen, werden Raucherinnen und Raucher f\u00fcr alle sichtbar in Glaskojen zur Schau gestellt, wobei diese Art der Zurschaustellung sicher ganz bewusst an Zoos erinnern soll.<\/p>\n<p>Der Raucher wird auf diese Weise zu einer Art Outlaw erkl\u00e4rt und steht damit im Gegensatz zu jenem Abenteurer, ohne den die Zigarettenwerbung der 70er- und 80er-Jahre nicht vorstellbar w\u00e4re. W\u00e4hrend der ber\u00fchmte Marlboro-Cowboy mit jedem Zigarettenzug der grenzenlosen Freiheit ein St\u00fcck n\u00e4her kam, verliert der Raucher heute mit jedem Zug ein St\u00fcck seiner Freiheit.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Aber selbstverst\u00e4ndlich hatte die Werbung auch f\u00fcr diejenigen, die nicht gerne alleine auf Abenteuertrip gehen wollten, den richtigen Spruch parat. So lautete der Slogan f\u00fcr die Johnny-Zigaretten: \u201eMit Johnny hast du immer einen Freund, mit Johnny bist du nie allein.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>In meiner Erinnerung ist das Rauchen untrennbar mit einem Medium verbunden, das nicht wenig zur Popularit\u00e4t der Zigarette beigetragen hat: Das Fernsehen.<\/p>\n<p>Da meine Gro\u00dfeltern in unserer Verwandtschaft die einzigen waren, die ein Fernsehger\u00e4t besa\u00dfen, entwickelte sich deren K\u00fcche vor allem an den Wochenenden zum Zentrum f\u00fcr famili\u00e4re Zusammenk\u00fcnfte. Wenn samstags sp\u00e4t in der Nacht ein Western gezeigt wurde, trafen sich bereits am Abend mein Gro\u00dfvater, mein Vater und zwei Onkel, um sich mit einem Viererschnapser auf den Film einzustimmen. Dass dabei geraucht wurde, versteht sich von selbst. Ob das Passivrauchen den anwesenden Kindern schaden k\u00f6nnte, interessierte zu dieser Zeit<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>\u2013 zumindest in Timelkam \u2013 keinen Menschen. Aber daf\u00fcr, dass wir um 22 Uhr einen Western sehen durften, nahmen wir sogar das Passivrauchen in Kauf.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u00c4hnliches galt \u00fcbrigens f\u00fcr den weiblichen Teil der Verwandtschaft, wenn Hans-Joachim Kulenkampffs Quizsendung \u201eEiner wird gewinnen\u201c auf dem Programm stand. An solchen<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Abenden versammelten sich dann bis zu f\u00fcnfzehn Personen in der kleinen K\u00fcche meiner Gro\u00dfeltern, und die Stimmung war entsprechend ausgelassen. Die M\u00e4nner spielten Karten und rauchten, die Frauen sprachen \u00fcber das Kochen, und die Kinder schrien, stie\u00dfen Weingl\u00e4ser um oder zerbr\u00f6selten Soletti-Stangerl auf dem Teppich. Dabei konnte es dann schon einmal vorkommen, dass meine Gro\u00dfmutter mit den Worten \u201eMacht\u2018s nicht so einen L\u00e4rm! Was wird sich denn der Kulenkampff von uns denken!\u201c wieder f\u00fcr Ruhe sorgte.<\/p>\n<p>Soweit ich mich erinnere, wurde in meiner Kindheit und Jugend eigentlich \u00fcberall geraucht, ausgenommen vielleicht die Kirche, wobei es in Timelkam einen Mesner gab, der immerhin in der Sakristei rauchte. Selbst im alten Krankenhaus von V\u00f6cklabruck gab es in jedem Stockwerk eine Raucherecke, wobei diese Ecke auf der Lungenstation besonders skurril anmutete. Heute ist das genauso unvorstellbar wie die Tatsache, dass man bis vor gar nicht so langer Zeit noch in Flugzeugen rauchen konnte. Ich erinnere mich an einen Tarom-Flug von Wien nach New York \u2013 Tarom war die staatliche rum\u00e4nische Fluglinie \u2013 , w\u00e4hrend dem ich acht Stunden lang zwischen zwei kettenrauchenden Polen sa\u00df. Diesen Flug werde ich aber auch aus einem anderen Grund nicht vergessen: Bei der Ankunft in New York waren die Stewardessen und die Piloten derart betrunken, dass die Maschine zwei Stunden lang auf dem Rollfeld warten musste. Erst nachdem man einen Ersatzpiloten aufgetrieben hatte, konnte die Maschine die letzten paar hundert Meter bis zum Gate zur\u00fccklegen. Die links und rechts von mir sitzenden Polen vertrieben sich die Wartezeit nat\u00fcrlich damit, dass sie eine Zigarette nach der anderen pafften.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Dadurch, dass ich als Kind nur M\u00e4nner sah, die rauchten, war f\u00fcr mich klar, dass ich als Erwachsener ebenfalls rauchen w\u00fcrde. Die Frage war nur: Ab wann war man alt genug, um rauchen zu d\u00fcrfen? In diesem Zusammenhang befand sich die Gesellschaft in einem argen Dilemma: Auf der einen Seite wurde in Zeitungen, auf Plakatw\u00e4nden, im Kino, im Fernsehen und im Radio hemmungslos f\u00fcr Zigaretten geworben, auf der anderen Seite versuchten Eltern ihre heranwachsenden Kinder davon zu \u00fcberzeugen, dass das Rauchen eigentlich doch kein erstrebenswertes Ziel w\u00e4re. Als Hauptargument wurde dabei weniger der gesundheitliche, als vielmehr der finanzielle Aspekt ins Treffen gef\u00fchrt. Ich erinnere mich an Abende, an denen wir Kinder von unseren Eltern angehalten wurden, uns auszurechnen, wieviel wir uns ersparen w\u00fcrden, wenn wir bis zu unserem 80. Lebensjahr nicht rauchen w\u00fcrden. Am Ende kam immer eine derart gigantische Summe heraus, dass wir nicht verstehen konnten, weshalb mein Vater, meine Gro\u00dfv\u00e4ter, meine Onkel und auch sonst die meisten m\u00e4nnlichen Erwachsenen in unserem Umfeld, st\u00e4ndig eine Zigarette im Mund hatten. H\u00e4tten sie ihr Geld nicht f\u00fcr Zigaretten ausgegeben, sondern auf ein Sparbuch gelegt, h\u00e4tte eigentlich jeder von ihnen l\u00e4ngst Million\u00e4r sein m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Einschr\u00e4nken muss ich an dieser Stelle allerdings, dass mein Vater nur selbstgedrehte Zigaretten rauchte, die erheblich billiger waren als Markenzigaretten. Zum Leidwesen meines Vaters versuchten wir Kinder irgendwann ebenfalls, Zigaretten zu drehen. Heraus kamen dabei meist unf\u00f6rmigen Gebilde, die mein Vater dann in m\u00fchevoller Kleinarbeit wieder zerbr\u00f6seln musste, um wenigstens den Tabak zu retten.<\/p>\n<p>Irgendwann um meinem zw\u00f6lften Geburtstag herum wurde der Drang, endlich selbst einmal eine Zigarette zu rauchen, so stark, dass ich mit einigen Freunden beschloss, den ersten Zug zu wagen. Durch diesen Initiationsritus wollten wir in die Welt der Erwachsenen aufgenommen werden, was diese aber nat\u00fcrlich nicht wissen durften. Da es in Timelkam nur eine Tabak-Trafik gab und das Ehepaar Angelmaier alle Kinder im Ort kannte, blieb uns gar nichts anderes \u00fcbrig, als uns unsere Tschick selbst zu basteln. Also schnappten wir uns unsere Fahrr\u00e4der und fuhren in die Au, wo wir uns am Ufer eines kleinen Baches niederlie\u00dfen, um aus Lianen Zigaretten ;herzustellen. Welches Papier wir verwendeten, wei\u00df ich nicht mehr, aber ich wei\u00df noch, dass der von uns allen seit Langem herbeigesehnte Tag der ersten Zigarette geh\u00f6rig in die Hosen ging. Und das im wahrsten Sinn des Wortes. So, wie wir es in diversen Abenteuerfilmen gesehen hatten, zerkleinerten wir mit unseren Taschenmessern trockene Lianenfasern und versuchten diese in die mitgebrachten Papiere einzudrehen. Irgendwann hatten wir ein paar Objekte zwischen unseren Fingern, die zumindest entfernt an Zigaretten erinnerten. Das Zeug, das wir rauchten, schmeckte allerdings nicht nur grauenhaft, sondern stank auch f\u00fcrchterlich. Aber da wir als Abenteurer nicht schlapp machen durften, rauchten wir die Lianenzigaretten tapfer zu Ende. Zu Hause angekommen, f\u00fchrte uns der erste Weg dann schnurstracks auf die Toilette, wo wir zum ersten Mal am eigenen Leib sp\u00fcrten, was das Wort Verdauungszigarette auch bedeuten kann. Aber da auch in diesem Fall galt, dass R\u00fcckschl\u00e4ge dazu da sind, um \u00fcberwunden zu werden, war klar, dass wir irgendwann unsere erste richtige Zigarette rauchen w\u00fcrden. Gem\u00e4\u00df dem Grundsatz: Man muss die erste \u00fcberstehen, wenn man ein richtiger Raucher werden will.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Nach dem Erreichen des achtzehnten Lebensjahrs verlor das Rauchen f\u00fcr mich interessanterweise ein wenig an Reiz. Bedeutete das Rauchen bis dahin die \u00dcbertretung einer Norm, ging es jetzt eher darum, zu zeigen, dass das Rauchen ein sinnliches Vergn\u00fcgen war. Zu diesem Zweck musste man nicht nur die richtige Marke rauchen, sondern durch die entsprechende Rauchtechnik auch zeigen, dass man kein blutiger Anf\u00e4nger war.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Die intensivste Rauchphase meines Lebens war ident mit meiner Studentenzeit in Salzburg. Soweit ich mich erinnere, wurde damals praktisch immer und \u00fcberall geraucht, wobei in der Zwischenzeit insofern eine kleine Revolution stattgefunden hatte, als es jetzt selbstverst\u00e4ndlich war, dass auch die Frauen rauchten.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Da ich in meiner Studentenzeit sehr viel gereist bin, war es nicht unwichtig, welche Zigaretten man in den jeweiligen L\u00e4ndern rauchte. In Frankreich rauchte man zum Beispiel nur gelbe Gitanes oder Gaulloises, in Italien MS, in der DDR Karo, in der Sowjetunion Papirossi, in der BRD Camel und in Jugoslawien F 57. Die F 57 waren \u00fcbrigens der Grund, weshalb ich Anfang der achtziger Jahre mit dem Rauchen wieder aufgeh\u00f6rt habe. Und das kam so: Am Ende eines dreiw\u00f6chigen Istrien-Urlaubs beschlossen meine damalige Freundin und ich, die Gunst der Stunde zu nutzen, und zehn Stangen F 57 nach \u00d6sterreich zu schmuggeln. Verglichen mit \u00f6sterreichischen Zigaretten, ersparten wir uns auf diese Weise die Einrichtung eines kleinen Vorzimmers. Da wir neben den zehn Stangen F 57 auch noch drei\u00dfig Liter Rotwein im Auto versteckt hatten, war klar, dass eine Zollkontrolle unseren finanziellen Ruin bedeutet h\u00e4tte. Zu unserem gro\u00dfen Gl\u00fcck winkten uns die Z\u00f6llner aber durch, was wiederum zur Folge hatte, dass in den folgenden Wochen unsere Hauptt\u00e4tigkeit im Zigarettenrauchen und Rotweintrinken bestand. Da die F 57 filterlose Zigaretten waren und rasch austrockneten \u2013 es handelte sich dabei also um richtige Beuschelrei\u00dfer \u2013, und de\u203ar Wein in F\u00fcnf-Liter-Gallonen abgef\u00fcllt war, mussten wir praktisch permanent rauchen und trinken. Irgendwann ist mir von den F 57 und dem qualitativ nicht gerade hochwertigen Rotwein aber so schlecht geworden, dass ich eine richtiggehende Aversion gegen das Rauchen entwickelte. Die Aversion gegen das Rauchen (von Zigaretten, nicht von Joints) ist geblieben, die Aversion gegen das Weintrinken zum Gl\u00fcck nicht.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Trotz der Tatsache also, dass ich seit mittlerweile drei\u00dfig Jahren Nichtraucher bin, lehne ich die globalen Anti-Raucher-Kampagnen und die weltweit grassierenden Rauchverbote ab. Auch die Warnhinweise auf den Zigarettenpackungen, denen eine gewisse Penetranz nicht abzusprechen ist, finde ich eher komisch als hilfreich.\u2026<\/p>\n<p>* Rauchen kann zu einem langsamen und schmerzhaften Tod f\u00fchren.<\/p>\n<p>* Rauchen kann zu Durchblutungsst\u00f6rungen f\u00fchren und verursacht Impotenz.<\/p>\n<p>* Rauchen kann die Spermatozonen sch\u00e4digen und schr\u00e4nkt die Fruchtbarkeit ein.<\/p>\n<p>* Rauch enth\u00e4lt Benzol, Nitrosamine, Formaldehyd und Blaus\u00e4ure.<\/p>\n<p>Nicht genug damit, hat die Weltgesundheitsorganisation WHO im Jahr 1987 den Weltnichtrauchertag ins Leben gerufen, der j\u00e4hrlich am 31. Mai \u201egefeiert\u201c wird. Um diesem Tag etwas mehr Pepp zu geben, steht er jedes Jahr unter einem anderen Motto.<\/p>\n<p>* Sportler und K\u00fcnstler rauchen nicht!<\/p>\n<p>* Rauchfreie Luft f\u00fcr freie B\u00fcrger!<\/p>\n<p>* Film und Fernsehen: Mit Schall ohne Rauch!<\/p>\n<p>* Rauchfreie Jugend.<\/p>\n<p>* Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.<\/p>\n<p>Dem Braintrust, der sich solche Slogans ausdenkt, w\u00fcrde ich \u00fcbrigens gerne einmal bei der Arbeit zusehen.<\/p>\n<p>Auch wenn die weltweiten Anti-Raucher-Kampagnen aus medizinischer Sicht sinnvoll sein m\u00f6gen, verwundert es doch ein wenig, dass auf keiner Bier-, Wein- oder Schnapsflasche \u00e4hnliche Warnungen zu lesen sind. Au\u00dferdem stellt sich die Frage, ob nicht auf dem Gro\u00dfteil der Lebensmittelverpackungen stehen m\u00fcsste, dass der Verzehr von deren Inhalten gesundheitssch\u00e4digend ist. Vom MacDonald\u2018s-Drecksfra\u00df einmal ganz abgesehen.q Und wie verh\u00e4lt es sich eigentlich mit den Autos? Pro Jahr kommen weltweit ca. 1,2 Millionen Menschen bei Verkehrsunf\u00e4llen ums Leben, aber ich habe noch kein Auto gesehen, auf dem vor der t\u00f6dlichen Gefahr des Autofahrens gewarnt werden w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Denkt man die Warnhinweise auf den Zigarettenpackungen konsequent weiter, m\u00fcsste eigentlich auch auf jedem Kleidungsetikett von H &amp; M oder C &amp; A der Hinweis stehen, dass der Kauf dieses Kleidungsst\u00fccks f\u00fcr Kinder in Bangladesch, China oder Indien t\u00f6dlich sein k\u00f6nnte.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Mag ja sein, dass hinter den global gef\u00fchrten Anti-Raucher-Kampagnen tats\u00e4chlich die Sorge um die Gesundheit der Menschen steht, allerdings glaube ich, dass es dabei auch noch um etwas anderes geht, n\u00e4mlich um soziale Kontrolle. Irgendwie werde ich das Gef\u00fchl nicht los, dass die generalstabsm\u00e4\u00dfig durchexerzierten Anti-Raucher-Kampagnen f\u00fcr die Herrschenden eine Art ETestlauf sind, um herauszufinden, wie weit sie die Massen steuern k\u00f6nnen, ohne dass diese Widerstand leisten. Was als N\u00e4chstes kommen wird, wissen wir nicht, aber wenn wir uns einmal vor Augen halten, dass unser Leben fast nur noch von Ver- und Geboten bestimmt wird, ist dieser Verdacht sicher nicht von der Hand zu weisen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Aber wahrscheinlich muss man solche Entwicklungen in unserer Zeit des Gesundheits-, K\u00f6rper- und Sch\u00f6nheitskults in Kauf nehmen, in der Light-Getr\u00e4nke und Di\u00e4tmargarinen ein h\u00f6heres Ansehen genie\u00dfen als Zigaretten.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Auch wenn am 31. Mai der Weltnichtrauchertag gefeiert wird, geh\u00f6rt das Schlusswort<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>einer Raucherin, und zwar der uruguayanischen Schriftstellern Cristina Peri Rossi: \u201eKann sein, dass die Zigarette auf lange Sicht t\u00f6tet. Aber auf kurze Sicht ist sie ein Reiz, der seinesgleichen sucht. Auch das Leben t\u00f6tet \u2013 immer \u2013, und doch lieben wir es \u2013 hin und wieder.\u201c<\/p>\n<p><i>Der Standard, Album, 25. Mai 2013<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rauchzeichen Von Kurt Palm Wann ich zum ersten Mal Zigarettenrauch eingeatmet habe, wei\u00df ich nicht mehr. Allerdings bin ich mir sicher, dass es sehr fr\u00fch gewesen sein muss. Sehr fr\u00fch hei\u00dft: In meinen ersten Lebensmonaten. Ich vermute das deshalb, weil in meiner Umgebung viel geraucht wurde. Und daran \u00e4nderte auch die Anwesenheit eines Babys nichts. 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