{"id":1405,"date":"2020-01-14T19:04:09","date_gmt":"2020-01-14T18:04:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.palmfiction.net\/blog\/?p=1405"},"modified":"2020-01-14T19:04:16","modified_gmt":"2020-01-14T18:04:16","slug":"das-weihnachtsmassaker-in-der-shopping-city-sued","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.palmfiction.net\/blog\/das-weihnachtsmassaker-in-der-shopping-city-sued\/","title":{"rendered":"Das Weihnachtsmassaker in der Shopping City S\u00fcd"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Weihnachtsmassaker in der Shopping City S\u00fcd<\/p>\n<p>1. Meet me at the Steakhouse<\/p>\n<p>\u201eChristoph, das kannst du nicht machen. Das ist eine v\u00f6llig absurde Aktion, die du da vor hast. Du machst dich damit nur ungl\u00fccklich.\u201c Seit einer halben Stunde redete Angelika auf ihren Freund ein, der gerade die Kammer seiner Plastik-MP mit einer roten Fl\u00fcssigkeit<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>f\u00fcllte.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eMir reicht es\u201c, sagte Christoph wild entschlossen, und drehte den Verschluss zu. \u201eDiese Idioten k\u00f6nnen nicht so mit mir umspringen. Das ist ja die reinste Verarschung. Ich lasse mir das nicht mehr gefallen. Geli, kapierst du das nicht? Die wollen mich fertig machen.\u201c Er zielte mit seiner Plastik-MP auf ein imagin\u00e4res Ziel und skandierte dazu stakkatom\u00e4\u00dfig \u201epeng, peng, peng\u201c.<\/p>\n<p>Angelika hob reflexartig die H\u00e4nde und begann zu schreien. \u201eLeg diese verdammte Waffe weg. Bist du jetzt vollkommen \u00fcbergeschnappt?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEntschuldige, jetzt werde nicht gleich hysterisch. Du wei\u00dft ja, dass die MP aus Plastik ist, aber die Leitner wei\u00df es nicht.\u201c<\/p>\n<p>Mit zitternden Fingern griff Angelika nach ihrer Tasse und nahm einen Schluck kalten Kaffee. Sie sp\u00fcrte, wie sie immer w\u00fctender wurde. \u201eChristoph, das ist jetzt nicht mehr lustig. Ich verstehe ja, dass du sauer bist, weil du in der Shopping City S\u00fcd als Weihnachtsmann arbeiten musst, aber du solltest endlich begreifen, dass daran nicht die Leitner schuld ist. Au\u00dferdem ist heute ohnehin dein letzter Arbeitstag, und \u2026\u201c<\/p>\n<p>Christoph stand auf und sah seine Freundin mit funkelnden Augen an. Mit der schwarzen MP im Anschlag h\u00e4tte er gut als Statist in einem drittklassigen Actionfilm mitspielen k\u00f6nnen. \u201eAch so, ich verstehe, jetzt f\u00e4llst du mir auch noch in den R\u00fccken. Dass du diese frustrierte Spinatwachtel verteidigst, ist ja ein ziemlich starkes St\u00fcck.\u201c<\/p>\n<p>Angelika verdrehte die Augen. \u201eIch verteidige sie doch gar nicht. Ich sage nur, dass sie nicht schuld ist an deiner Situation. Du hast doch selbst gesagt, dass auch die anderen Mitglieder der Auswahlkommission von deinem Drehbuch nicht besonders begeistert waren.\u201c<\/p>\n<p>\u201eMoment, Moment\u201c, antwortete Christoph gereizt und legte seine Waffe zur Seite. \u201eEinige Mitglieder der Filmkommission fanden das Drehbuch sehr wohl originell. Nur die Leitner war von Anfang an dagegen und hat entsprechend Stimmung gegen mich gemacht. Wie sie bei der entscheidenden Sitzung das Wort ergriffen hat, war mir sofort klar, dass sie meinen Film nie und nimmer f\u00f6rdern wird. \u201aEinen Film \u00fcber ein<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>Weihnachtsmassaker in der Shopping City S\u00fcd schaut sich doch kein Mensch an, Herr Reiter\u2018, hat sie gesagt, und dabei s\u00fcffisant gegrinst. Damit war die Sache erledigt. Die anderen Mitglieder haben sich nat\u00fcrlich nicht getraut, gegen die Leitner zu stimmen. Das sind ja alles feige S\u00e4ue. Und die Leitner ist eine frustrierte alte Schnepfe, die \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eChristoph, bitte spare dir diese primitiven frauenfeindlichen Kommentare.\u201c W\u00e4hrend Angelika das Fr\u00fchst\u00fccksgeschirr in die Sp\u00fclmaschine r\u00e4umte, meldete Christophs Handy den Eingang einer Kurznachricht.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eDas darf ja nicht wahr sein. Diese Idioten wollen heute um 18 Uhr in der Shopping City eine Feier f\u00fcr alle Weihnachtsm\u00e4nner veranstalten. Die k\u00f6nnen mich am Arsch lecken, ich bin froh, wenn ich mit diesem Gesindel nichts mehr zu tun habe.\u201c Christoph griff nach seiner schwarzen Plastik-MP und verstaute sie in einem gro\u00dfen Rucksack.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Angelika warf ihrem Freund einen flehenden Blick zu. \u201eChristoph, bitte, \u00fcberlege es dir noch einmal. Die Geschichte kann echt bl\u00f6d ausgehen.\u201c Sie sah auf ihre Armbanduhr. \u201eHalb acht. Ich muss in einer Stunde im Museumsquartier sein. Dort findet das Foto-Shooting f\u00fcr dieses Zombie-Theater-Projekt bei den n\u00e4chsten Wiener Festwochen statt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eTreten dort die alten Wiener Theater-Deppen als Zombies auf?\u201c, fragte Christoph und verrenkte seinen K\u00f6rper wie ein Film-Zombie.<\/p>\n<p>\u201eChristoph, h\u00f6r endlich auf, alle anderen herunterzumachen. Sch\u00f6n langsam geht mir deine \u00fcberhebliche Art auf die Nerven.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIst ja wahr\u201c, antwortete Christoph eingeschnappt, \u201ejedes Schwachsinns-Projekt in dieser Stadt wird gef\u00f6rdert, nur f\u00fcr meinen Film gibt es kein Geld. Aber anscheinend ist dir das egal. Hauptsache, du kannst irgendwelche Idioten fotografieren, und wirst daf\u00fcr auch noch gut bezahlt.\u201c<\/p>\n<p>Angelika atmete tief durch und bem\u00fchte sich, ruhig zu bleiben. \u201eIch habe jetzt keine Lust, mit dir zu streiten. Morgen ist Weihnachten und ich m\u00f6chte dann einfach ein paar ruhige Tage verbringen. Und zwar mit dir.\u201c<\/p>\n<p>Christoph kratzte sich nerv\u00f6s am Kinn. \u201eIch verstehe dich ja. Aber du musst mich auch verstehen, Geli. Ich kann das nicht auf mir sitzen lassen. Wenn du die Aktion filmen w\u00fcrdest, w\u00e4re das das sch\u00f6nste Weihnachtsgeschenk f\u00fcr mich. Und die Sache w\u00e4re damit erledigt. Ich k\u00f6nnte mich dann endlich einem neuen Filmprojekt widmen.\u201c<\/p>\n<p>Angelika dachte kurz nach. \u201eAlso, theoretisch \u2026\u201c Sie z\u00f6gerte einen Augenblick. \u201eAlso, theoretisch k\u00f6nnte ich zu Mittag in der Shopping City sein. Aber ich komme nur, wenn du mir versprichst, dass du dich mit der MP lediglich vor den Eingang des Steakhouses stellst und mit der Waffe posierst. Dann mache ich ein Foto, und fertig. Das wird jeder als Spa\u00df verstehen.\u201c<\/p>\n<p>Christoph sch\u00fcttelte energisch den Kopf. \u201eVergiss es. Ich ziehe die Aktion durch, wie geplant.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDass dich die Leitner anzeigen wird, ist dir aber auch klar?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas glaube ich nicht. Bis die kapiert, was da passiert ist, verteile ich als einer von 73 Weihnachtsm\u00e4nnern l\u00e4ngst schon wieder irgendwo Zuckerl an die braven Kinder. Au\u00dferdem werden heute mindestens 80.000 Leute in die Shopping City erwartet. Was glaubst du, was da f\u00fcr ein Chaos herrschen wird. Das ist das ideale Setting f\u00fcr mein Shooting.\u201c Christoph betonte das letzte Wort und hoffte, dass Angelika das Wortspiel verstand.<\/p>\n<p>\u201eUnd was ist, wenn die Leitner gar nicht in dieses Steakhouse kommt?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie kommt sicher. Da kannst du Gift drauf nehmen. Das mit dem Weihnachtsempfang<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>im Steakhouse steht ja sogar auf der Homepage des Filmfonds\u2019. Wenn es etwas gratis zum Fressen gibt, sind Leute wie die Leitner die ersten, die die Buffets st\u00fcrmen. Ja, und pl\u00f6tzlich wird halt ein freundlicher Weihnachtsmann mit Rauschebart das Steakhouse betreten, unter seiner roten Robe eine MP hervorholen und die Frau Leitner ein bisschen mit Filmblut bespritzen. Peng, peng, peng.\u201c Christoph rieb sich schadenfroh die H\u00e4nde.<\/p>\n<p>\u201eUnd du glaubst, dass dich beim Verlassen des Steakhouses niemand attackieren wird?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEntschuldige, wer soll mich attackieren? Ich gehe vorne bei der T\u00fcr hinein, mache \u201apeng, peng, peng\u2018 und gehe schnurstracks hinten wieder hinaus. Zwei Minuten sp\u00e4ter bin ich wieder im McDonald\u2018s-Laden und verteile dort an die fetten Kinder irgendwelchen Ramsch. Dass ich kurz weg bin, wird niemandem auffallen, weil mich heute bei McDonald\u2018s ein zweiter Weihnachtsmann unterst\u00fctzen wird. Das ist \u00fcbrigens ein skurriler Typ. Er hei\u00dft Ignaz, hat ungef\u00e4hr 150 Kilo und redet nur von seiner armen Mama, die vor ein paar Monaten gestorben ist.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eWer soll die ganze Aktion eigentlich filmen, wenn ich es nicht mache?\u201c Angelika<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>verstaute ihre Fotokamera und einige Objektive in ihrer Fototasche.<\/p>\n<p>\u201eDann nehme ich die Kamera einfach in die linke Hand und filme das mit\u201c, antwortete Christoph triumphierend. \u201eKeine Angst, das schaffe ich schon. Ich bin ja schlie\u00dflich als Weihnachtsmann verkleidet und kann mit einer Kamera auftreten, ohne dass sich jemand dabei etwas denkt. Was glaubst du, wie oft ich in den letzten vier Wochen mit grenzdebilen Kindern fotografiert und gefilmt worden bin? Und immer musste ich mit verstellter Stimme fragen, ob diese Rotzl\u00f6ffel eh brav waren und ihren Eltern gefolgt haben. Auf derart schwachsinnige Weise habe ich noch nie mein Geld verdient wie in dieser verfickten Shopping City S\u00fcd.\u201c<\/p>\n<p>Angelika hatte das Gef\u00fchl, dass Christoph rationalen Argumenten nicht mehr zug\u00e4nglich war. Sie \u00fcberlegte, ob sie diese Leitner einfach anrufen sollte, um sie zu warnen, verwarf den Gedanken aber wieder. Sie folgte Christoph ins Vorzimmer, wo sich beide ihre Winterjacken anzogen.<\/p>\n<p>\u201eAlso, Christoph, wir treffen uns um Punkt zw\u00f6lf vor dem Eingang zum Steakhouse. Du wei\u00dft ja, dass ich dich da nicht alleine lassen kann.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu bist ein Schatz\u201c, sagte Christoph grinsend und gab seiner Freundin einen Kuss.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>2. No Happy Meal today<\/p>\n<p>Wenn sie diesen Brief finden bin ich warscheinlich schon tot. Dann bin ich schon bei meiner Mama im Himmel. Ich muss meine Mama rechen. Den das meine Mama gestorben ist daran ist McDonald\u2018s schuld. Und zwar der McDonald\u2018s in der Shopping City S\u00fcd wo meine Mama mehr als zwanzig Jahre lang gearbeitet hat. Und weil sie am Schlu\u00df schon so dick war das sie nicht mehr arbeiten hat k\u00f6nnen haben sie sie einfach hinausgeschmissen. Diese Schweine. Meine liebe Mama ist an Herzverfettung gestorben. Sie hat kurz vor ihrem Tod mindestens 150 Kilo gewogen. Die \u00c4rzte haben gesagt das sie von den Hamburgern dem Coca Cola den Milk Shakes und den anderen Sachen von McDonald\u2018s so dick geworden ist. Ich kenne ja auch nichts anderes. Ich bin als Baby schon mit Hamburgern und Cola gef\u00fcttert worden. Darum habe ich auch schon eine Fettleber und ein fettes Herz. Ich bin ja auch schon fast so schwer wie meine Mama am Schlu\u00df war. Darum wollten sie mich ja eigentlich auch nicht als Weihnachtsmann einstellen. Aber nachdem sie so wenig zahlen und sie keine Leute bekommen haben haben sie mich doch noch genommen. Das ist der Grund das ich heute mittag als Weihnachtsmann bei McDonald\u2018s sein kann wenn der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und die anderen hohen Herren von McDonald\u2018s auch da sein werden. Ist ja gro\u00df angek\u00fcndigt ihre Weihnachtsfeier. Ich werde dann auch da sein mit meiner Maschinenpistole und diese Herren einfach erschie\u00dfen. Als Weihnachtsmann falle ich da ja nicht auf. Ich habe alles genau vorbereitet. Ich kann ohne meine Mama nicht mehr leben. Wir waren immer zusammen. Wir haben zusammen gewohnt meine Mama und ich. Und jetzt ist sie tot meine liebe Mama und schuld ist McDonald\u2018s und ich habe meiner armen Mama versprochen das ich sie rechen werde. Ich habe gelesen das schon 2 mal Leute in McDonald\u2018s Restaurants erschossen worden sind. Einmal in Tasmanien und einmal in San Diego. In Tasmanien sind 35 Leute erschossen worden und in San Diego 21. Ich wei\u00df nicht wie viele ich erschie\u00dfen werde aber die paar hohe Herren erschie\u00dfe ich auf jeden Fall. Ich kann nicht anders. Sie haben meine Mama umgebracht und jetzt bringe ich sie um. Ich finde das nur gerecht. Ich hoffe das ich auch erschossen werde damit ich dann bei meiner lieben Mama im Himmel sein kann.<\/p>\n<p>3. Three brothers from Albania<\/p>\n<p>Im verrauchten Kellerlokal \u201eBeograd\u201c in der Gaullachergasse in Ottakring wurde bereits um acht Uhr in der Fr\u00fch Karten gespielt. Aber man spielte auch W\u00fcrfelpoker, Black Jack, Dart und sogar Mikado. Nat\u00fcrlich wurde um Geld gespielt, und zwar um viel Geld. Lediglich an einem Tisch in der Ecke wurde nicht gespielt. Dort sa\u00dfen drei albanische Br\u00fcder und ein Serbe, die etwas miteinander besprachen. Genau genommen sprach nur der Serbe, weil die drei albanischen Br\u00fcder nichts zu sagen hatten. Sie sahen den Serben nur mit ausdruckslosen Gesichtern an, weshalb der Serbe nach jedem Satz fragte, ob sie \u00fcberhaupt verst\u00fcnden, worum es ginge. Die albanischen Br\u00fcder nickten jedes Mal kurz, um dann mit noch ausdrucksloseren Gesichtern zuzuh\u00f6ren.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Der Serbe hie\u00df Predrag Mladenovi, war aber in einschl\u00e4gigen Kreisen in Ottakring nur unter dem K\u00fcnstlernamen \u201eDer Pate\u201c bekannt. Der Pate war nicht nur in der illegalen Wett- und Gl\u00fccksspielszene t\u00e4tig, sondern auch im Geldverleihgewerbe aktiv, also in zwei Gesch\u00e4ftszweigen, die einander hervorragend erg\u00e4nzten. Das war auch der Grund, weshalb die drei albanischen Br\u00fcder jetzt mit dem Paten an einem Tisch sa\u00dfen.<\/p>\n<p>Die Br\u00fcder Admir, Afrim und Agmin waren vor einem halben Jahr von einem albanischen Bergdorf, wo es au\u00dfer Ziegen und Esel nichts gab, nach Wien gekommen, um hier viel Geld zu verdienen. Das hatte ihnen jedenfalls der \u201eVermittler\u201c, der eines Tages in ihrem Dorf aufgetaucht war, versprochen. Die drei Br\u00fcder hatten daraufhin ihre wenigen Habseligkeiten zusammengepackt und waren mit ein paar anderen Landsleuten nach Wien gereist, wo sie gleich einmal vier Monate lang am Brunnenmarkt schuften durften, um die Reisekosten zu begleichen. Wenig sp\u00e4ter waren sie dann \u00fcber Vermittlung eines serbischen \u201eFreundes\u201c im \u201eBeograd\u201c gelandet, wo sie in der ersten Woche beim W\u00fcrfelpoker \u2013 nat\u00fcrlich \u201eunter Aufsicht\u201c \u2013 10.000 Euro gewannen. Von diesem Gewinn geblendet, spielten sie so lange, bis sie 10.000 Euro verloren hatten. Da sie wussten, dass sie diese Schulden nie und nimmer zur\u00fcckzahlen konnten, mussten sie einen anderen Weg aus ihrer misslichen Lage finden. Das war der Grund, weshalb sie jetzt mit dem Paten an einem Tisch sa\u00dfen.<\/p>\n<p>\u201eDie drei Geldboten sind eingeweiht und werden keinen Widerstand leisten, wenn ihr mit den Maschinenpistolen auftaucht. Um Punkt zw\u00f6lf wird der Vormittagsumsatz von IKEA von drei Geldboten zu einem Panzerwagen gebracht. Versteht ihr?\u201c<\/p>\n<p>Die drei albanischen Br\u00fcder nickten.<\/p>\n<p>\u201eIhr seid ja als Weihnachtsm\u00e4nner verkleidet, weshalb kein Mensch Verdacht sch\u00f6pfen wird. Es arbeiten insgesamt 73 Weihnachtsm\u00e4nner in der Shopping City S\u00fcd, also werdet ihr nicht weiter auffallen. Obradin wird im Fluchtauto sitzen. Sobald ihr den Geldboten die S\u00e4cke mit dem Papiergeld abgenommen habt, l\u00e4uft ihr zum Fluchtauto, gebt das Geld Obradin und mischt euch dann wieder unter die Leute vor dem IKEA. Ist das klar?\u201c<\/p>\n<p>Die drei albanischen Br\u00fcder nickten.<\/p>\n<p>\u201eDamit sind eure Schulden beglichen und ihr k\u00f6nnt wieder ein neues Leben beginnen.\u201c<\/p>\n<p>Dem Paten blutete ein wenig das Herz, wenn er daran dachte, dass die drei Br\u00fcder in wenigen Stunden tot sein w\u00fcrden, aber er konnte das Risiko, die Albaner am Leben zu lassen, nicht eingehen. Man w\u00fcrde sie garantiert erwischen und dann w\u00fcrden sie ihn verpfeifen und er w\u00fcrde wieder f\u00fcr einige Zeit in Belgrad untertauchen m\u00fcssen, worauf er absolut keine Lust hatte. Hier in Ottakring war er der K\u00f6nig, und so sollte es auch bleiben.<\/p>\n<p>4. High Noon<\/p>\n<p>Am letzten Einkaufssamstag vor Weihnachten war in der Shopping City S\u00fcd die H\u00f6lle los. Bereits zu Mittag waren alle 10.000 Parkpl\u00e4tze besetzt, und die 4.500 Besch\u00e4ftigten in den 330 Gesch\u00e4ften hatten nicht einmal mehr Zeit zum Klogehen, weil sie von K\u00e4uferhorden \u00fcberrannt wurden. Auch die 73 Weihnachtsm\u00e4nner wussten nicht mehr, wo ihnen der Kopf stand, weil immer mehr Kinder auf sie einst\u00fcrmten und sie Angst haben mussten, von den hysterischen Massen erdr\u00fcckt zu werden.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>In diesem Chaos fiel es also nicht weiter auf, dass sich kurz vor zw\u00f6lf f\u00fcnf Weihnachtsm\u00e4nner in die gleiche Richtung bewegten. Christoph gab seiner Freundin Angelika vor dem Steakhouse ein verstecktes Zeichen, der dicke Ignaz betrat den daneben liegenden McDonald\u2018s-Laden, und die drei albanischen Br\u00fcder begaben sich zu einem Seiteneingang des angrenzenden IKEA-Geb\u00e4udes.<\/p>\n<p>Um Punkt zw\u00f6lf Uhr \u00f6ffnete sich dort eine T\u00fcr und drei Geldboten n\u00e4herten sich ihrem gepanzerten Fahrzeug, das in der N\u00e4he geparkt war. Als die Geldboten auf das Eingreifen der drei Weihnachtsm\u00e4nner warteten und Obradin in seinem BMW seine MP z\u00fcckte, zogen die drei Albaner ihre Waffen und erschossen nicht nur die Geldboten, sondern auch Obradin, der tot war, noch ehe er mitbekam, was soeben geschehen war. Die drei albanischen Br\u00fcder schulterten die Gelds\u00e4cke und marschierten seelenruhig zu einem Fluchtauto, das von Envar, ihrem Vater, gelenkt wurde.<\/p>\n<p>In dem Augenblick, in dem die Albaner ihre Sch\u00fcsse abgaben, begann im McDonald\u2018s-Laden der dicke Ignaz wie wild um sich zu ballern. Da er kein besonders guter Sch\u00fctze war, erschoss er nicht nur einige f\u00fchrende Herren von McDonald\u2018s, sondern auch ein paar Kunden, denen ihre ketchupverschmierten M\u00fcnder vor Schreck offen standen. Nachdem er gesehen hatte, dass die f\u00fcr den Tod seiner Mutter Verantwortlichen tot waren, verlie\u00df er das Restaurant und wusste nicht, was er tun sollte.<\/p>\n<p>Zur gleichen Zeit zielte im Steakhouse Christoph mit seiner Spielzeug-MP auf Dietlinde Leitner, die<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>gerade nach einem Br\u00f6tchen griff, und bespritzte sie mit k\u00fcnstlichem Blut. Da Leitner nicht wissen konnte, dass die MP nicht echt war, griff sie sich an die Brust und schrie: \u201eHilfe, ich bin getroffen worden.\u201c W\u00e4hrend Angelika die Aktion filmte und Christoph mit ihr nach drau\u00dfen rannte, spielten sich vor dem Steakhouse, dem McDonald\u2018s-Restaurant und dem IKEA-Geb\u00e4ude chaotische Szenen ab. Wachleute schossen wahllos auf Weihnachtsm\u00e4nner, die sich unter die Menschenmassen gemischt hatten, Ignaz schoss ebenso wahllos zur\u00fcck, und die albanischen Br\u00fcder, die im Stau stecken geblieben waren, begannen ebenfalls um sich zu schie\u00dfen. Christoph warf sich mit Angelika zwischen parkenden Autos zu Boden und riss sich sein Weihnachtsmann-Kost\u00fcm samt Rauschebart vom Leib. Dass er sich in die Hosen gemacht hatte, hatte er gar nicht mitbekommen.<\/p>\n<p>Drei Stunden sp\u00e4ter war das Gel\u00e4nde ger\u00e4umt und die Sicherheitsbeh\u00f6rden gaben in einer ersten Stellungnahme bekannt, dass w\u00e4hrend des Weihnachtsmassakers in der Shopping City S\u00fcd 49 Menschen get\u00f6tet und Dutzende verletzt worden waren.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Die Direktorin des Wiener Filmfonds, Dietlinde Leitner, die mit einem schweren Schock im Krankenhaus lag, erkl\u00e4rte noch am selben Tag, dass man das Weihnachtsmassaker in der Shopping City S\u00fcd von einem renommierten Hollywood-Regisseur verfilmen lassen werde.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Als Christoph diese Nachricht h\u00f6rte, besorgte er sich einen Arztkittel und stattete Dietlinde Leitner im Krankenhaus einen Besuch ab.<\/p>\n<p><i>In: \u201eMords-Bescherung 3\u201c, hrsg. von Jeff Maxian und Erich Weidinger, Emons Verlag, K\u00f6ln 2018<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Das Weihnachtsmassaker in der Shopping City S\u00fcd 1. 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